„Ermöglicher“-Blog 1
Am 17. April lancierten die Mannheimer Philharmoniker ein neues Format: So geht Klassik! Ziel ist es, klassische Musik außerhalb des traditionellen Konzertsaals aufzuführen und in den Dialog mit anderen Genres und Musikstilen zu setzen. Damit erweitert das Orchester sein künstlerisches Profil und erschließt zugleich neue Zugänge für ein vielfältiges Publikum.

So geht Klassik! Einführung Thorsten Riehle (Foto: Daniel Wetzel)
In Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Metropolregion, die in unterschiedlichen Genres aktiv sind, entstehen abwechslungsreiche Programme, bei denen jeweils ein symphonisches Werk im Mittelpunkt steht. In der ersten Hälfte führen die Mannheimer Philharmoniker die klassische Komposition vollständig auf. Zwischen den Sätzen führt Dirigent Boian Videnoff das Publikum mit kurzen Informationen und Anekdoten durch die Musik. Anschließend präsentieren die eingeladenen Gäste ihre eigene Perspektive auf das Werk: mal elektronisch, mal jazzig, mal funky – stets eigenständig und kreativ.
Zum Auftakt am 17. April 2026 spielten die Mannheimer Philharmoniker Franz Schuberts Symphonie Nr. 5 in B-Dur von in der ausverkauften Manufaktur Mannheim. Die ehemalige Bettfedernfabrik zählt heute zu den angesagtesten Eventlocations der Region und bot mit ihrer besonderen Atmosphäre den idealen Rahmen für das neue Format. Bereits vor Konzertbeginn zeigte sich, wie sehr die offene Umgebung, die Begegnungen im Foyer und die ungezwungene Stimmung vom Publikum angenommen wurden.
Klassik neu interpretiert

So geht Klassik! Mischpult und Orchester (Foto: Daniel Wetzel)
Im zweiten Teil des Abends präsentierte der Produzent Mr. Rawdriguez (Ruben Rudriguez) seine elektronische Interpretation der Schubert-Symphonie. Mal griff er Motive und Stimmungen des Werkes auf, mal nutzte er die Struktur als Ausgangspunkt für eigenständige Klangwelten. So konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer die zuvor gehörte Symphonie aus neuen Perspektiven erleben. Ein besonderes Highlight war die Live-Improvisation einzelner Orchestermitglieder und geladener Musiker zu den Tracks des DJs.
Die Resonanz auf das neue Format war außerordentlich positiv. Die Besonderheit von So geht Klassik! liegt vor allem darin, dass die unterschiedlichen Musikstile gleichwertig zueinanderstehen. Weder wird klassische Musik vereinfacht, noch dienen zeitgenössische Beiträge als bloßes Rahmenprogramm. Vielmehr entsteht ein Format, das sowohl erfahrene Klassikfans als auch aufgeschlossene Neuentdecker anspricht. Für die kommende Spielzeit sind weitere Veranstaltungen geplant.
Formate wie dieses stehen exemplarisch für das Selbstverständnis der Mannheimer Philharmoniker: klassische Musik allen sozialen Schichten zugänglich zu machen, sie durch Innovation fest in der Stadtgesellschaft zu verankern und dabei höchste künstlerische Qualität zu bewahren. Dass ein solches Projekt in der kulturreichen Metropolregion Rhein-Neckar bislang einzigartig ist, unterstreicht die besondere Rolle des Orchesters als künstlerischer Impulsgeber.
Bildungskonzert in der Variohalle
Darüber hinaus gehören die Bildungskonzerte seit Gründung des Orchesters zu den tragenden Säulen seiner Arbeit. Bereits im Vorfeld von So geht Klassik! besuchten 600 Kinder ein Schulkonzert. In der Varionhalle des Mannheimer Rosengartens lauschte das junge Publikum gebannt Schuberts Musik und folgte der Moderation von Boian Videnoff mit großer Aufmerksamkeit.

ca. 600 Schülerinnen und Schüler beim Bildungskonzert
In den einstündigen Veranstaltungen erklärt der Dirigent den Aufbau eines Symphonieorchesters, lässt Instrumente erraten und vermittelt klassische Musik auf anschauliche und lebendige Weise. Neben der Wissensvermittlung spielen vor allem Wahrnehmung, Fantasie und eigene Urteilsbildung eine Rolle: Welche Gefühle weckt Musik? Welche Bilder entstehen im Kopf? Warum kann dieselbe Passage ganz unterschiedlich wirken? Besonders eindrucksvoll ist für viele Kinder der direkte Austausch mit den Musikerinnen und Musikern im Anschluss an das Konzert.
Das Schulkonzert am 17. April wurde von 21 Klassen aus insgesamt 12 Schulen besucht. Die Rückmeldungen fielen entsprechend begeistert aus. „Das ist alles so nachvollziehbar erklärt“, freute sich ein Lehrer. Eine Kollegin bemerkte: „Viele Kinder saßen die ganze Zeit über nahezu andächtig da.“
Solche Reaktionen zeigen, wie wertvoll die kostenlosen Bildungsangebote des Orchesters für Mannheim sind. Sie leisten einen konkreten Beitrag zur kulturellen Teilhabe, eröffnen jungen Menschen unmittelbare Begegnungen mit Kunst auf hohem Niveau und vermitteln zugleich zentrale gesellschaftliche Werte. Wenn Kinder Musikerinnen und Musiker aus über 40 Nationen als gemeinsames Ensemble sehen, erleben sie ein eindrucksvolles Beispiel für kulturelle Verständigung.
Die Mannheimer Philharmoniker verstehen ihr junges Publikum deshalb nicht nur als Zuhörerinnen und Zuhörer von morgen, sondern vor allem als zukünftige Gestalterinnen und Gestalter einer offenen, neugierigen und lebendigen Stadtgesellschaft.
Dass Projekte wie So geht Klassik! und die kostenlosen Bildungskonzerte in dieser Form möglich sind, verdankt das Orchester auch der Unterstützung seiner Förderinnen und Förderer. Ihr Engagement schafft Freiräume für künstlerische Exzellenz, Innovation und gesellschaftliche Wirkung – und bildet damit die Grundlage für eine lebendige musikalische Zukunft in Mannheim.

So geht Klassik! Artists (Foto: Daniel Wetzel)

So geht Klassik! in der Manufaktur (Foto: Daniel Wetzel)
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